Im Politischen Frühschoppen der AG Strategische Impulse diskutierten Teilnehmer am 5. Juli 2026 über Ökodörfer und selbstverwaltete Wohnprojekte

Beitrag der AG Strategische Impulse

Wie lässt sich Demokratie im Alltag leben? Welche Formen des Zusammenlebens fördern Eigenverantwortung, Mitbestimmung und nachhaltiges Handeln? Und können alternative Gemeinschaftsprojekte Impulse für die Gesellschaft insgesamt geben?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich der öffentliche Politische Frühschoppen der AG Strategische Impulse. Unter dem Titel „Ökodörfer als parteiunabhängige Lernräume“ stellte Doris Dubiel unterschiedliche Formen gemeinschaftlichen Lebens und selbstverwalteter Organisation vor. Im Mittelpunkt standen dabei weniger politische Programme als praktische Beispiele dafür, wie Menschen Verantwortung gemeinsam übernehmen und ihr Zusammenleben eigenständig organisieren.

Politischer Frühschoppen – über Ökodörfer und selbstverwaltete Wohnprojekte

Demokratie beginnt nicht erst im Parlament

Der Impulsvortrag machte deutlich, dass Demokratie weit mehr sein kann als die Teilnahme an Wahlen. In zahlreichen Gemeinschaftsprojekten werde versucht, demokratische Entscheidungsprozesse in den Alltag zu integrieren. Dabei gehe es um Fragen, die jede Gemeinschaft betreffen. Wer entscheidet? Wie werden Konflikte gelöst? Wie lassen sich individuelle Freiheit und gemeinschaftliche Verantwortung miteinander verbinden?

Als Beispiele wurden mehrere bekannte Ökodörfer vorgestellt, darunter Sieben Linden in Sachsen-Anhalt, das ZEGG in Bad Belzig und Schloss Tempelhof in Baden-Württemberg. Trotz unterschiedlicher Ausrichtungen verfolgen sie ein gemeinsames Ziel. Sie verstehen sich als Lebens-, Arbeits- und Lernorte, in denen nachhaltige Lebensweisen und neue Formen des Zusammenlebens praktisch erprobt werden. Dabei wurde deutlich, dass Selbstverwaltung keineswegs Beliebigkeit bedeutet. Im Gegenteil, je stärker Verantwortung gemeinsam getragen werde, desto wichtiger seien klare Verfahren, transparente Entscheidungsstrukturen und gegenseitiges Vertrauen. Am Beispiel des Ökodorfs Sieben Linden erläuterte Dubiel das dort praktizierte Rätesystem mit Vollversammlungen, Konsensverfahren und Vetorechten. Auch im ZEGG würden unterschiedliche Methoden wie Konsens oder soziokratische Elemente genutzt, um Beteiligung und Handlungsfähigkeit miteinander zu verbinden.

Gemeinschaft braucht auch tragfähige Strukturen

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den städtischen Hausprojekten, insbesondere dem Mietshäuser Syndikat. Anders als klassische Wohnprojekte verfolgt dieses Modell das Ziel, Wohnraum dauerhaft der Spekulation zu entziehen. Eigentumsrechtliche Konstruktionen sollen verhindern, dass Häuser später wieder privatisiert oder gewinnorientiert verkauft werden. Gleichzeitig bleiben die Bewohner weitgehend selbst für die Organisation ihres Alltags verantwortlich.

Der Vortrag machte deutlich, dass sich beide Modelle unterscheiden. Während Ökodörfer nahezu alle Lebensbereiche gemeinschaftlich organisieren wollen, konzentrieren sich Hausprojekte stärker auf bezahlbaren Wohnraum und dessen langfristige Sicherung. Gemeinsam ist ihnen jedoch der Versuch, Verantwortung möglichst dezentral wahrzunehmen und praktische Alternativen zu rein marktgetriebenen Strukturen zu entwickeln.

Was kann die Gesellschaft daraus lernen?

Besonders lebhaft wurde die Diskussion bei der Frage, welche Bedeutung solche Projekte über ihre eigene Gemeinschaft hinaus besitzen könnten.

Mehrere Teilnehmer vertraten die Auffassung, dass Ökodörfer und ähnliche Initiativen als gesellschaftliche Lernorte verstanden werden sollten. Es gehe nicht darum, ihre Modelle eins zu eins auf ganze Städte oder Gemeinden zu übertragen. Interessant seien vielmehr die Erfahrungen mit gemeinschaftlichen Entscheidungsprozessen, Selbstorganisation und Eigenverantwortung. Gerade Kommunen könnten hiervon profitieren.

Aus dem Teilnehmerkreis wurde zugleich die Frage gestellt, wie sich die verschiedenen vorgestellten Ansätze überhaupt zu einem politischen Gesamtkonzept verbinden ließen. Andere sahen darin weniger ein fertiges Modell als vielmehr eine Sammlung praktischer Erfahrungen, aus denen die Politik lernen könne.

Partei, Bewegung oder Brückenbauer?

Ein weiterer Diskussionspunkt betraf die Rolle der Partei selbst. Die vorgestellten Projekte verstehen sich überwiegend ausdrücklich als parteiunabhängig. Mehrere Teilnehmer sahen darin eine Herausforderung für dieBasis. Einerseits gebe es inhaltliche Überschneidungen bei Themen wie Basisdemokratie, Nachhaltigkeit oder regionaler Selbstorganisation. Andererseits müsse die Partei darauf achten, solche Initiativen nicht parteipolitisch zu vereinnahmen.

Als möglicher Weg wurde vorgeschlagen, Mitglieder könnten sich als Privatpersonen in entsprechende Initiativen einbringen und Erfahrungen sammeln. Zugleich könne die AG Strategische Impulse Vertreter solcher Projekte künftig zu Vorträgen oder Diskussionsveranstaltungen einladen. Dadurch ließen sich gegenseitige Lernprozesse anstoßen, ohne die parteipolitische Unabhängigkeit der Projekte infrage zu stellen.

Auch grundsätzliche Fragen wurden aufgeworfen. Welche Rolle spielen solche Gemeinschaften in autoritären Staaten? Können sie dort echte Freiräume schaffen oder werden sie lediglich als Feigenblatt einer autokratischen Regierungsform genutzt? Ebenso wurde kritisch angemerkt, dass zentrale politische Steuerung – etwa auf europäischer Ebene – häufig im Gegensatz zu den vorgestellten dezentralen Ansätzen stehe.

Von der Idee zur Praxis

Mehrere Teilnehmer verwiesen auf bereits bestehende Netzwerke und Projekte. Genannt wurden unter anderem regionale Aktivitäten des Mietshäuser Syndikats in Bayern sowie weitere Initiativen zu genossenschaftlichem Wohnen, Energiedörfern und alternativen Wirtschaftsmodellen. Diese Beispiele machten deutlich, dass viele der vorgestellten Ideen längst keine theoretischen Konzepte mehr sind, sondern bereits in unterschiedlichen Formen umgesetzt werden.

Zum Ende der Veranstaltung wurde angeregt, die Diskussion nicht auf den Politischen Frühschoppen zu beschränken. Beiträge könnten auf Landeswebseiten veröffentlicht und Themenvorschläge künftig verstärkt über das Parteiforum oder per E-Mail an die AG Strategische Impulse eingereicht werden. Darüber hinaus wurde überlegt, künftig verstärkt Transkriptionen und Protokolle der Veranstaltungen auszuwerten, um interessante Inhalte einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Demokratie lebt vom Ausprobieren

Der Politische Frühschoppen zeigte, dass alternative Gemeinschaftsprojekte weit mehr sind als ungewöhnliche Wohnformen. Sie sind Orte, an denen Fragen des demokratischen Zusammenlebens ganz praktisch erprobt werden. Nicht jedes Modell wird sich auf größere gesellschaftliche Zusammenhänge übertragen lassen. Dennoch können solche Projekte wertvolle Erfahrungen über Beteiligung, Verantwortung und gemeinschaftliches Handeln liefern.

Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen den Eindruck haben, politische Entscheidungen entfernten sich immer weiter vom Alltag der Bürger, stieß die Frage, wie Demokratie wieder stärker vor Ort gelebt werden kann, auf großes Interesse. Die Diskussion machte deutlich, dass dieser Gedanke weit über die vorgestellten Ökodörfer hinausreicht und auch für Kommunen, Vereine und politische Initiativen neue Denkanstöße liefern kann.

Themenvorschläge bitte an ag-strategische-impulse@diebasis-partei.de

 

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