Wie gefährlich sind die unterschiedlichen Kraftwerksarten?

von Holger Gräf

Als die letzten beiden Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet wurden, hörte man laute Jubelrufe in den sozialen Netzwerken. Endlich, so hieß es, sei Deutschland sicher. Davon abgesehen, dass dies in sich nicht stimmig ist, weil die Energie, die hier nicht mehr produziert wird, aus dem benachbarten Ausland importiert werden muss: AKWs im Ausland werden möglicherweise nicht so gut gewartet und eine Katastrophe in Belgien oder Frankreich hätte auch Auswirkungen auf Deutschland.

Das Thema war aber damit noch nicht vom Tisch. Es galt die Frage zu klären, welche Kraftwerksarten die gefährlichsten sind und wie sich Atomkraftwerke in diesem Vergleich ausnehmen. Dies sollte aus unserer Sicht möglichst neutral, also anhand reiner Zahlen geschehen.

Wie gefährlich sind die unterschiedlichen Kraftwerksarten? - Sind Atomkraftwerke wirklich so gefaehrlich

Atomkraftwerke gibt es seit 1951. In der gesamten Zeit bis heute waren ca. 440 AKWs in Betrieb und sind es teilweise noch. In diesen 72 Jahren kam es zu 30 Störfällen. Dabei gibt es in den verschiedenen Staaten unterschiedliche Einschätzungen, was als Unfall und was nur als Störfall gilt. Daher gibt es auch anderslautende Meldungen. Bei 28 dieser 30 Zwischenfälle wurden keine Menschen verletzt und es wurde auch keine Strahlung freigesetzt. Die übrigen beiden gelten als besonders schlimme Katastrophen, die uns allen bekannt sind: Es handelt sich um die Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima.

Im Zusammenhang mit beiden Unfällen wurde zwar in den Medien von „unzähligen Toten“ geredet, doch was genau bedeutet „unzählig“?

Die offiziellen Todeszahlen, die unmittelbar mit dem Unglück von Tschernobyl in Verbindung standen (Helfer, Mitarbeiter, Brandlöscher etc.), werden mit einem zeitlichen Abstand von 10 Jahren mit 31 angegeben.

Über die Zahl jener, die mittelbar an den Folgen der Katastrophe starben, gibt es sehr unterschiedliche Aussagen. Die WHO spricht, mit einem zeitlichen Abstand von 20 Jahren, von 4.000 Toten im Zusammenhang mit den Folgen überhöhter Strahlenbelastung. Dazu zählen auch jene Kinder, die tot geboren wurden. Ein Jahr nach der WHO-Veröffentlichung wurden die Todesfolgen noch einmal neu geschätzt, und zwar vor allen Dingen in Hinsicht auf noch zu erwartende Krebsfolgen. Die Studie „Craditis et al“ kam zu einer deutlich höheren Zahl, nämlich 14.000. Darin waren auch solche Opfer eingerechnet, die noch lebten, aber statistisch an den Langzeitfolgen sterben würden.

Allerdings wurden mit Beginn des Atomausstiegs in Deutschland auch immer höhere Zahlen vermeldet.

Tschernobyl gilt als der folgenschwerste Nuklearunfall aller Zeiten. Die ebenfalls verheerenden Folgen des Reaktorunfalls von Fukushima gelten als zweitschlimmste Katastrophe.

Wie stellen wir das nun anderen Kraftwerken, also Wasser-, Gas-, Wind-, Solar- und Kohlekraftwerken gegenüber? Bei Wind- und Solarkraftwerken können wir Tote (zumindest unter den Menschen) fast ausschließen. Doch machen sie einen überraschend geringen Anteil bei den Quellen zur Energiegewinnung aus. Platz zwei nimmt die Wasserkraft ein. Und vielleicht für den einen oder anderen ebenso überraschend ist, dass Wasserkraftwerke (also Staudämme) die höchsten Todeszahlen bei den unmittelbar Betroffenen ausmachen. Das rührt daher, dass bei einem Unfall zahllose Menschen sofort ertrinken oder an den kurzzeitigen Folgen (Hunger, Obdachlosigkeit, Seuchen) sterben. Kurz gesagt, sie machen bei dem Risiko eines Zwischenfalls einen eher geringen Teil aus, wenn es aber zu einem Zwischenfall kommt, fordern Wasserkraftwerke die höchsten Todesopfer.

So forderte allein der Bruch des „Drei Schluchten Staudamms“ in China 230.000 Tote und 160.000 Verletzte.

Die tödlichsten Kraftwerke aber sind die Kohlekraftwerke. Ihre Opfer sind allerdings nicht unmittelbar betroffen, sondern schleichend. Laut einem WHO-Bericht sollen die freigesetzten Gase, wie Ozon, Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid und Stickstoffdioxid sowie Feinstaub für 29 % aller Fälle von Lungenkrebs, für 17 % der Todesfälle durch akutere Infektionen mit geringerer Atemwegsinfektion, für 24 % der Schlaganfälle, für 25 % der ischämischen Herzerkrankungen und 43 % der chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen verantwortlich sein.

Natürlich sind Zahlen der WHO immer mit äußerster Vorsicht zu genießen, doch fahren diese Zahlen eher dem politisch gewollten Narrativ in die Parade, statt ihm zu nutzen.

Dem Leser soll hier keine Meinung vorgegeben werden. Es handelt sich nur um reine Zahlen und alle Quellen für diese Zahlen wurden verlinkt. Es wurden oftmals bewusst internationale Quellen sowie Quellen aus der Zeit vor 2022 gewählt, um eine politische Manipulation so weit wie möglich auszuschließen. Selbstverständlich finden sich auch Internetseiten, die mehrere Millionen Tote nach Tschernobyl proklamieren. Es handelt sich dabei jedoch zumeist um politische Statements.

 

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