„Erst das Zuhause verloren – dann das Kind“: Die Geschichte einer jahrelangen Abwärtsspirale

Betroffenenbericht zum Thema Inobhutnahmen

von Tady (eingereicht über die AG Kinder, Jugend und Familie)

Im Jahr 2017 verlor eine Frau aus Baden-Württemberg innerhalb weniger Stunden ihr Zuhause.
Der Strom wurde abgestellt, das Türschloss ausgetauscht, der Zugang zur Wohnung verwehrt – ohne Gerichtsbeschluss. Ihre persönlichen Dinge blieben zurück. Auch ihre Haustiere. Bargeld verschwand.

Von einem Moment auf den anderen stand sie vor dem Nichts.

Was folgte, war kein Einzelfall, sondern ein jahrelanger Absturz. Sie lebte in Notunterkünften, in wechselnden Unterbringungen, ohne Stabilität, ohne Sicherheit. Ein Leben, das zunehmend von Stress, Angst und Überforderung geprägt war.

2019 brachte sie ihr Kind zur Welt – mitten in dieser Situation.

Notlage als Begründung für Inobhutnahme

Statt echter Hilfe begann eine Entwicklung, die ihr Leben weiter erschütterte. Die schwierigen Lebensumstände führten dazu, dass Behörden eingriffen. Im November 2021 wurde ihr damals 2‑jähriges Kind in Obhut genommen.

Die Begründung: fehlende Stabilität und skurrile Gründe wie z. B. dass das Kind „yes“ und „no“ sage, Gemüse ausspucke, das Besteck mit dem Faustgriff halte und noch in die Windeln mache.

Doch genau diese Instabilität, so schildert sie es heute, sei nicht aus eigenem Verschulden entstanden, sondern die direkte Folge der Ereignisse von 2017 gewesen. Eine Krise, die von außen ausgelöst und später gegen sie verwendet wurde.

Besonders schwer wiegt ein Punkt: Intern wurde offenbar festgehalten, dass keine akute Kindeswohlgefährdung vorlag. Dennoch blieb die Trennung bestehen.

Es folgten Jahre des Wartens, Kämpfens, Hoffens. Sie bemühte sich, ihre Situation zu stabilisieren, nahm Angebote an, suchte Lösungen. Doch Verfahren zogen sich hin, Entscheidungen verzögerten sich, Perspektiven blieben unklar.

Währenddessen verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand massiv. Die Dauerbelastung hinterließ Spuren – körperlich und psychisch. Heute ist sie dauerhaft gesundheitlich eingeschränkt.

Erst Jahre später kam es zu einer Neubewertung durch ein aktuelles Gutachten. Dieses zeichnet ein deutlich anderes Bild: vorhandene Ressourcen, eine tragfähige Beziehung zum Kind, keine gravierende Gefährdung.

Für die Betroffene bleibt eine zentrale Frage:

Wie kann es sein, dass eine durch äußere Umstände ausgelöste Notlage erst entsteht – und später genau diese Notlage als Begründung für eine so weitreichende Trennung dient?

Heute kämpft sie juristisch um Aufarbeitung. Doch für sie geht es um mehr als Geld.

Es geht um die Anerkennung dessen, was passiert ist. Und darum, dass aus solchen Geschichten gelernt wird.


Hier geht es zu unserem Artikel „Inobhutnahmen durch Jugendämter“ und den zentralen Forderungen der Partei dieBasis:

Inobhutnahmen durch Jugendämter – dieBasis | Basisdemokratische Partei Deutschland


 

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