Das Ende des Lehrerberufes

Gastbeitrag von Werner Haser

Eine Neudefinition der Lehrerausbildung und -fortbildung

Die Zukunft kennt keine “Lehrer“ mehr, sondern “Lernbegleiter“ als völlig neuen Beruf.

Auf dem Weg in eine digitale Gesellschaft

Die Kinder von heute sind die Gesellschaft von morgen, die sich in einem umfassenden Wandlungsprozess befindet. Heutige Schulkinder werden in etwa 20 Jahren eine völlig andere Lebens- und Arbeitswelt vorfinden. Sie werden sich ganz neuen Herausforderungen stellen müssen:
Der Digitalisierung, dem Einfluss von künstlicher Intelligenz und dem Zusammenleben in einer immer vielfältigeren Gesellschaft, und weiteren Themen, die wir heute noch nicht kennen.

Welche Fähigkeiten und Kompetenzen brauchen Menschen, um diesen Herausforderungen zu begegnen? Und bereitet unser Bildungssystem sie darauf ausreichend vor?
Der dadurch zwingend notwendig gewordene veränderte Unterricht verlangt ein neues Durchdenken und Überarbeiten herkömmlicher Ausbildungsstrukturen und -ordnungen.

Die AG Kinder, Jugend und Familie der Partei dieBasis hat mit ihrem konsensierten, nachhaltigen Bildungskonzept 1 einige umsetzbare Ideen entwickelt. So heißt es darin in einem Kapitel:

Lehrpersonen

An Lernorten des selbstbestimmten Lernens verstehen sich Lehrer, und Pädagogen und Therapeuten als „Lernbegleiter“. Sie fördern selbstständiges und eigenverantwortliches Lernen durch eine nicht direktive, wertschätzende Haltung. Lernbegleiter und Lernende begegnen sich auf Augenhöhe durch partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Lehrerausbildung

Die Ausbildung muss praxisorientiert erfolgen. In der Ausbildung von Lehrern und Lernbegleitern sollten die Pädagogik und die Lern- und Hirnforschung berücksichtigt werden. Das Ziel eines Lernbegleiters ist es, das zu leben, was er den Lernenden vermitteln will: Authentizität und Empathie, Kritikfähigkeit und Konfliktbewältigung, Teamfähigkeit und Kreativität. Er sollte mit den Prinzipien des offenen Unterrichts vertraut gemacht werden. Eine professionell begleitete Selbstreflexion sollte Bestandteil der Ausbildung sein. Um mit der Vielfalt der Lernenden umgehen zu können, ist Improvisationsfähigkeit, Einfühlungsvermögen und Differenzierungsfähigkeit notwendig. Von zentraler Bedeutung ist der Aufbau einer positiven Beziehung zum Lernenden… 2

Nur eine veränderte Lehrerrolle wird in Zukunft eine Chance haben, die Lernenden zu erreichen.

Artikelbild Lernbegleiter

Der Lernbegleiter

Der neue Lehrer (Lernbegleiter) wird sich von der Rolle des Entertainers, Lernzielvollziehers und Stoff-Agenten befreien. Eine neue Beraterqualität wird ihn in Zukunft auszeichnen. Lernbegleiter wird der neue Berufsbegriff sein. Deshalb steht im Mittelpunkt die Frage nach dem, was die Schüler lernen wollen und wie man sie zum eigenverantwortlichen, selbständigen Lernen beraten kann.

Wie im Unterricht die freie Entfaltung der Schülerpersönlichkeit, so steht die freie Entfaltung einer selbstbewussten Persönlichkeit des zukünftigen Lernbegleiters im Mittelpunkt seiner Ausbildung.

Im Vordergrund steht nicht mehr die Förderung des Dranges zur Vermittlung und Belehrung, sondern die Bereitschaft, die eigene Fragehaltung (und die des Kindes) und die eigene Suche nach dem gelingenden Lernen (und die des Kindes) ernst zu nehmen.

Die Ängste der Lehramtskandidaten und Lehrer, sich zu verändern, sind mangelndes Vertrauen in sich, und die Schüler und sind völlig überflüssig. Niemand soll fühlen, dass durch das Praktizieren des Offenen Unterrichts der Teppich unter den Füßen weggezogen wird, und deshalb ist Mut und Selbstvertrauen notwendig. Eine neue Lehrerrolle verlangt den Wandel der inneren Einstellung. Also sind neue Angebote der Ausbildung notwendig.

Die zukünftigen Ausbildungsmodule beinhalten viele Elemente aus der Reformpädagogik, der Freinetpädagogik, dem Buddhismus, der Holistischen Pädagogik, der Gehirnforschung und der Psychotherapie.

Spirituelles Bewusstsein wird gefragt sein. Denn es gilt festzustellen:

Die innere Welt ist die Ursache der äußeren.

Der Veränderungsprozess fängt nicht im Außen, sondern im Innern an, nämlich bei der Denkweise und der Haltung. Die holistische Pädagogik als solche, die dies vertritt, wird immer häufiger in freien Schulen als pädagogische Grundhaltung von Lernbegleitern angenommen. Am bekanntesten zurzeit ist eine Online-Schule in London, England, die School beyond limitations. 3

Die AG Kinder, Jugend und Familie sieht die holistische Pädagogik als eine wesentliche Ergänzung zum Thema “Lehrerausbildung“ des bestehenden nachhaltigen nachhaltigen Bildungskonzepts.

Fazit

Der Lernbegleiter begreift den jungen Menschen als freies Individuum, das all seine Fähigkeiten in sich trägt und sinnvoll entfalten möchte. Er ist Coach und Helfer.

Unterricht, so wie wir ihn kennen, wird nicht mehr stattfinden. Schon heute wird in zahlreichen freien Schulen der Beruf Schulbegleiter erfolgreich umgesetzt.
Die “Alemannenschule“ in Wutöschingen, die keinen Unterricht mehr stattfinden lässt und eigenverantwortliches Lernen in den Mittelpunkt stellt und die “Freie Schule Allgäu“, die systemisches Konsensieren pflegt, sind zur Zeit zwei sehr erwähnenswerte Beispiele.

  1. dieBasis_BIldungskonzept_AG_Kinder_Jugend_Familie_-Stand-08.2024.pdf ↩︎
  2. s.o. ↩︎
  3. https://www.school-beyond-limitations.com/de/ ↩︎
 

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