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Das Wunschkind kann mit einem Jahr bereits Fahrrad fahren

Interview mit Dr. Andreas Baum anlässlich des 1. Geburtstages der Partei dieBasis.

Was wünscht man einer Partei, die ihren ersten Geburtstag feiert und die man selbst mitgegründet hat? Wir fragten bei Dr. Andreas Baum nach, der zusammen mit Diana Osterhage die Doppelspitze von dieBasis bildet und zu den Gründungseltern zählt.

Mit einer Partei ist das nicht anders als mit einem Kind, das Geburtstag hat. Man wünscht ihr Glück und Zufriedenheit und ein langes Leben. Dr. Andreas Baum ist beeindruckt über die rasante Entwicklung des am 4. Juli 2020 geborenen Babys „dieBasis“, das ein absolutes Wunschkind ist „Wir haben in den vergangenen zwölf Monaten wahnsinnig viel geschafft“, sagt er anerkennend. Aus den 44 Gründungsmitgliedern ist eine basisdemokratische Partei geworden, der sich inzwischen über 25.000 Menschen mit dem Ausfüllen ihres Mitgliedsantrags verbindlich angeschlossen haben. Zwei Landtagswahlen liegen bereits hinter den Basisdemokraten, die jetzt hochmotiviert auf die Bundestagswahlen zusteuern. „Diese Performance war in dieser Form nicht vorhersehbar“, blickt Baum zurück.

Als die Partei gegründet wurde, sei das so gewesen wie im Kreißsaal. Die werdende Mutter geht hochschwanger hinein und muss viel Vertrauen entwickeln in das, was da auf sie zukommt, vergleicht der dreifache Familienvater die Gründungsphase. Die Gründungsfamilie hat nicht nur voller Vertrauen das Kind geboren, sondern auch eine gesunde und erfolgreiche Entwicklung ermöglicht. Dazu habe ganz wesentlich das Herzblut beigetragen, das alle Mitstreiter in diese Partei gesteckt haben.

Auf den starken und stabilen Säulen der Freiheit, Machtbegrenzung, Achtsamkeit und Schwarmintelligenz möchten die „Basistas“, wie sie sich selbst liebevoll nennen, nicht weniger, als die Basisdemokratie in diesem Land mehrheitsfähig zu machen. Mit der Anmeldung zu den Bundestagswahlen geht das Signal in die Welt, dass diese Partei nicht mehr krabbelt, sondern das Laufen gelernt hat.

Zu verdanken sei das nicht zuletzt den vielen Menschen in den Kreisverbänden, den starken Landesverbänden, die eigenständig und eigenverantwortlich die Idee eines neuen Miteinanders und der politischen Verantwortung vorangetrieben haben. „Wie das bei Kindern so ist, klappt das bei den einen besser und andere brauchen noch etwas Unterstützung, bis die Schritte sicherer werden.“ Er ist aber zuversichtlich, dass die Unterschiede mit der Zeit kaum noch nennenswert sind.

Dass aus der kritischen Bewegung heraus eine Partei gegründet wurde, ist einmal dem Umstand geschuldet, dass man nur als Partei in den Parlamenten politisch gestalten und auf die Gesetzgebung Einfluss nehmen kann. Unterstützt wurde dieser Gründungsprozess zum anderen aber auch durch die Corona-Krise. Denn als Verein durfte man sich gemäß Corona-Maßnahmen nicht treffen, als Partei aber schon. Dieser Vorzug hat im Ergebnis zu dieser grandiosen solidarischen Bewegung geführt. Ohne Corona wäre dieser gesellschaftliche Impuls nicht entstanden.

Dass viele Menschen gemeinsam etwas komplett Neuartiges schaffen können, belegt auch das Stimmungsbild zu den Wahlaussagen, mit dem sich die junge Partei am 26. September dem Votum der Wähler stellt. Spätestens hier wird klar: die Basis bezieht zu vielen Themen Stellung. Das mag auch daran liegen, dass sich in ihren Reihen ein breites und hohes Expertenwissen vereint. Zahlreiche Wissenschaftler, Unternehmer und Fachleute, die vorher nie politisch tätig waren, bekennen sich nun zu dieser Partei und sind bereit, sich für diese auch verantwortlich stark zu machen. Nicht wenige tun das öffentlichkeitswirksam.

Das breite Programm, mit dem dieBasis antritt, wurde bei der jüngsten großen Konsensierung von rund 66 Prozent der Mitglieder nicht nur gewünscht. Sie haben sich auch aktiv an der Erarbeitung der Inhalte beteiligt. Vorbereitet wurde diese Aktion von zahlreichen Arbeitsgruppen, die sich den einzelnen Sachthemen gestellt haben. Jedes Mitglieder kann frei mitwirken, was das ungeheure Vertrauen untereinander stärkt. „Das war schon nicht mehr nur Laufen, sondern fast so wie Fahrradfahren“, sagt Baum augenzwinkernd. Das dieBasis das nach einem Jahr schon kann, liegt nicht nur an den engagierten „Eltern“, sondern auch an den vielen zupackenden „Patentanten und -onkeln“.

dieBasis will ihren Teil dazu beitragen, Licht in das Land der Denker und Dichter zurück zu bringen. „Dabei tut das Bewusstsein gut, dass unser Land nicht nur Dichter und Denker, sondern auch Querdenker braucht.“ Gäbe es die nicht, würden wir immer noch glauben, dass die Erde eine Scheibe ist. „Wir haben es Querdenkern zu verdanken, dass sich die Menschheit in dem bekannten Maße weiterentwickelt hat.“ Ohne diese wären wir nicht dort, wo wir heute sind. Daher wertet er den Begriff, an dem viele Negativ-Schlagzeilen kleben, sehr positiv. Er registriert bedauernd auch, dass die teilweise absurde Stimmungsmache gegen Querdenker Früchte trägt.

Die politische Kultur der Regierenden hat, so Andreas Baum, dafür gesorgt, dass sich viele in diesem Land gar nicht mehr trauen, laut ihre Meinung zu sagen. Zu groß sei inzwischen die Angst vor Repressalien. Das mache ihn traurig, denn er erlebt das fast jeden Tag. „An unseren Ständen komme ich mit vielen Menschen ins Gespräch, die hinter vorgehaltener Hand zugeben, dass sie mit vielem schon lange nicht mehr einverstanden sind.“ Sie schöpfen in den gemeinsamen Gesprächen Mut, weil sie erfahren, dass es sehr wohl eine Möglichkeit gibt, die politische Gestaltung unseres Landes mitzubestimmen, nicht nur nur durch ein Kreuz alle vier Jahre. Die Menschen schöpfen Hoffnung, wenn sie die Beweggründe, von denen dieBasis getragen wird, kennengelernt haben. Ein wesentliches Merkmal: „Bei uns gibt es keinen großen Zampano, der sagt, wo es langgeht“, bekräftigt der Basisdemokrat und verweist auf die Machtbegrenzung, die bei den Basisdemokraten gelebter Alltag ist.

Jeder ist eingeladen, aktiv die Politik mitzugestalten, seine Stimme zu erheben und auch in vielen Umfragen abzugeben. In denen wird geklärt, welche Inhalte die Mitglieder angehen und umsetzen wollen. Das heißt, alles, wofür dieBasis steht, ruht auf Mehrheiten. „Zur Basisdemokratie gehört auch, zu akzeptieren, wenn man in den Umfragen auch mal unterliegt und die Entscheidung der Vielen dann trotzdem mitzutragen ist.“ Es geht darum, eine Haltung zu entwickeln, in der Mehrheiten respektiert werden. „Das ist eine große Herausforderung für viele, die im Altsystem groß geworden sind“, weiß Baum inzwischen. So manche kämen so gar nicht klar damit, dass es keine hierarchischen Strukturen gibt und jede Stimme zählt, unabhängig davon, welches politische Amt jemand bekleidet. Die jüngere Generation tut sich mit dem Neuen, für das dieBasis steht, schon deutlich leichter.

Dass das Neue in der Öffentlichkeit auf Widerstand stößt, war zu ahnen und gehört zum Wandel dazu, wird aber inzwischen geringer. „Das Wegdrängen in die Schwurbelecke und die Ignoranz ist weniger geworden“, freut sich Andreas Baum. Das gelte auch für die persönlichen Angriffe, denen sich der studierte Maschinenbauer immer wieder auch im Straßenwahlkampf in Baden-Württemberg ausgesetzt sah. „Das war schon anstrengend, aber mittlerweile dreht sich der Wind.“ Mehr und mehr hört er die Leute sagen: „Was in der Zeitung steht, glaubt doch keiner mehr.“ Auf diesen Stimmungswandel reagieren immer mehr Verlage und stellen von sich aus in Frage, ob es reicht, Haltungsjournalismus nach Regierungsvorgabe zu betreiben. Die Presse öffnet sich – auch der Basis gegenüber. Das belegendie inzwischen zahlreichen Interviewanfragen, die in Veröffentlichungen münden, und sachlich wiefair über die junge Partei berichten. Sie erkennen: dieBasis, das sind Menschen wie du und ich, die sich für unsere Gemeinschaft stark machen. All diese feiern jetzt den ersten Geburtstag ihrer Partei und auch ein bisschen sich selbst.

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