Durch Spaltung verlieren alle

Traurig, was für Dinge heute sagbar sind, ohne dass es jeden Einzelnen von uns dabei erschaudern lässt. So fordert Wolfram Henn, Mitglied des Ethikrates, dass die Menschen, die sich einer Impfung verweigern, ein Dokument mit dem Inhalt „[…] Ich will, wenn ich krank werde, mein Intensivbett und mein Beatmungsgerät anderen überlassen.“1 bei sich tragen. Nikolaus Blome, Ressortleiter bei RTL für Politik und Gesellschaft, fordert im Umgang mit Menschen, die die Impfung verweigern: „Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen.“2 Solche Äußerungen bezeugen keinerlei Verständnis für Andersdenkende und wirken daher als Brandbeschleuniger für die gesellschaftliche Spaltung.

Doch was sind die genauen Ursachen von Spaltung? Und warum verlieren wir alle dadurch? Das soll mit diesem Beitrag aufgezeigt werden.

Ursachen von Spaltung


Die Grundvoraussetzung für Spaltung in einer Gesellschaft ist zunächst einmal irgendeine Art von Unterschied zwischen Menschen. Dieser allein reicht jedoch noch lange nicht aus, um eine Spaltung zu erzeugen. Außerdem ist es doch gerade auch die Vielfalt, die eine stabile Demokratie hervorbringt und gutheißt.

Der eigentliche Nährboden für Spaltung sind Blindheit, Unwissenheit und Selbstentfremdung. Alle diese Dinge hängen voneinander ab und begünstigen eine unreflektierte Hörigkeit gegenüber Autoritäten, durch die wir leicht beeinfluss- und instrumentalisierbar sind. Eine starke Beeinflussbarkeit reicht aber auch noch nicht aus, um Spaltung zu erzeugen. Allerdings bringt diese jeden gestreuten Samen des Unverständnisses leicht und schnell zum Wachsen. Jegliche Anklage gegen eine Person oder Personengruppe kann als solches Samenkorn angesehen werden.

Im Nebel


Unsere Anfälligkeit für Spaltung soll an dieser Stelle noch mit einem weiteren Bild verdeutlicht werden. So stehen wir ohne echte Verbindung zu uns – also selbstentfremdet – grundsätzlich im dichten Nebel. In diesem Nebel sind wir blind und fühlen uns hilflos, gelähmt und ängstlich. Gefangen im Nebel werten wir die Stimme, die uns zuruft, dass sie uns aus dem Nebel hinausführen wird, schnell als einen Rettungsanker. Wir folgen der Stimme in der Hoffnung, dass sie uns aus dem Nebel befreit. Weil wir selbst nichts sehen, müssen wir der Stimme dafür aber unser blindes Vertrauen schenken. Wandern wir allzu lange umher, lassen wir uns irgendwann – meist auch verbunden mit einer starken Erschöpftheit – nicht mehr länger von der Stimme vertrösten und wenden uns resigniert ab. In unserer Not heften wir unsere Hoffnung dann oft an die nächste, überzeugend klingende Stimme, die uns versichert, uns aus dem Nebel zu führen. Meist durchlaufen wir alle diesen Prozess so oft und so lange, bis wir aus vollkommener Erschöpfung und Resignation aufgeben und stehen bleiben. Spätestens dann haben wir die Chance zu erfahren, dass es gerade diese unentwegte Suche im Außen war, die durch unseren blinden Aktionismus des Umherlaufens im Nebel, diesen immer wieder neu verdichtet hat. Der Nebel kann sich also nur lichten, wenn wir innehalten und in die Ruhe und Stille gehen. Solange wir uns selbst von jeglicher, innerer Einkehr abhalten, schenkt uns das Leben – aus Liebe zu uns – über die Erschöpfung diese Chance des Erkennens. Denn nur in der Stille können wir in Verbindung mit uns treten und darüber erkennen lernen, wer wir sind und was wir uns tatsächlich wünschen. Dadurch klart unsere Sicht auf. Der Schlüssel, uns aus dem Nebel zu befreien, liegt demnach geschützt in uns selbst. Mit einer klaren Sicht entsteht eine starke Bewusstheit und somit die unermessliche Freiheit, gezielt den Weg beschreiten zu können, den wir wirklich gehen wollen. Damit geht aber zunächst auch einher, zu erkennen, welch schöne Blumen wir auf unseren vorigen Irrwegen zertreten haben. Auch wenn diese Tragik uns im ersten Moment traurig stimmen mag, so überwiegt immer die Freude darüber, diese unendliche Freiheit zu erfahren. Die Freiheit, die immer schon in uns verankert ist. Doch ihr Ruf ist nur in der Stille wahrzunehmen, weshalb wir diesem nicht folgen können, solange wir nur dem Außen zuhören. Traurig brauchen wir aber auch deshalb nicht zu sein, weil wir durch die klare Sicht nun allen Blumen die Chance geben können, sich zu erholen und schon bald wieder in voller Blüte zu erstrahlen. Zudem erleichtert uns die aufgeklarte Sicht die Vergangenheit loszulassen und im Jetzt zu leben.

Dieses Bild macht deutlich, warum wir uns umso besser vor Spaltung bewahren, je stärker wir mit uns selbst verbunden sind. In Freundschaft zu uns selbst und im Erkennen grundlegender Zusammenhänge wird es uns immer unmöglicher, Dinge zu tun, die uns oder anderen Schmerz zufügen. Die fehlende Verbindung mit uns, ist in der Spaltung auch daran zu erkennen, dass wir dabei unbewusst die Projektion anwenden.

Die Rolle der Projektion


Die Projektion ist ein unbewusster Prozess, durch den wir unsere eigenen, unerwünschten Anteile, stellvertretend im Außen – in den anderen – bekämpfen. Jegliche Feindseligkeit gegenüber anderen Menschen offenbart somit einen Stellvertreterkrieg und damit die eigentliche Gehässigkeit gegenüber uns selbst.

Denn Projektion wäre nicht nötig, wenn wir uns so annehmen würden, wie wir sind. Das liegt daran, dass wir uns in der Selbstannahme nicht mehr bekämpfen und damit auch ein stellvertretender Kampf gegen andere hinfällig wird. Eine ausgeprägte Selbstannahme ist daran erkennbar, dass wir in den anderen immer auch uns selbst wiedererkennen, was eine starke Verbundenheit schafft. In dieser fällt es uns leicht, die einem Verhalten zugrundeliegenden Bedürfnisse und guten Absichten zu erkennen und entsprechend verständnisvoll zu sein. Grundsätzlich gilt, dass je mehr wir im Verständnis sind, desto abwegiger wird es für uns jemanden für etwas zu verurteilen.

Nun leben wir jedoch in einer Gesellschaft, in der viele Dinge als „normal“ gelten, die eine Trennung von uns selbst und anderen begünstigen. Der daraus resultierende Schmerz öffnet der Projektion Tür und Tor. So gelten menschliche Verhaltensweisen wie Bequemlichkeit, Unordnung, Arroganz und Besserwisserei als unerwünscht, wodurch wir uns meist dazu entscheiden, diese Anteile in uns zu bekämpfen. Wir empfinden diese Anteile also als Schwächen, die es abzuschaffen gilt, damit wir als „gute“ Menschen Anerkennung von anderen – und von uns selbst – erfahren. Da wir es aber kaum ertragen, immer wieder mit unseren angeblichen Unzulänglichkeiten konfrontiert zu werden, verlagern wir diesen Kampf nach außen. Anstatt unsere unerwünschten Anteile bewusst bei uns zu erkennen und ihnen nachhaltig auf den Grund zu gehen, sehen wir diese dann nur noch bei den anderen. Damit geht immer einher, dass wir die anderen für diese Verhaltensweisen abwerten und ablehnen – wie im Grunde uns selbst.

Wenn demzufolge Menschen diejenigen, die es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können, sich oder ihre Kinder mit potenziell schädlichen Impfstoffen impfen zu lassen, als rücksichtslos ansehen, handelt es sich dabei um eine Projektion. Denn andere derart zu verurteilen und anzufeinden, ohne sich die Mühe zu machen, die Perspektive dieser Menschen verstehen zu wollen, ist genau das: rücksichtslos. Aber auch impfkritische Menschen verfallen oft der Projektion, wenn sie z.B. kein Verständnis dafür aufbringen, dass andere die Dinge nicht so sehen wie sie. Denn immer, wenn wir anderen fehlendes Verständnis für uns vorwerfen, zeigen wir selbst gerade kein Verständnis für sie. Bei gegenseitigen Anschuldigungen und Anfeindungen sind sich beide Seiten also immer sehr ähnlich: beide sind gleichermaßen in Not und verweigern sich gegenseitige Hilfestellung. Gefangen in der eigenen Blindheit macht jede Seite genau das, was sie der anderen Seite vorwirft. Dadurch sagen unsere Abwertungen anderer über diese meist nur wenig aus. Allerdings offenbaren unsere Abwertungen immer eindeutig, was wir in uns selbst bekämpfen.

Tragischerweise halten wir uns im Kampf immer selbst von unserem Glück ab. Könnten wir uns unser Glück gönnen, würden wir grundsätzlich auf jegliche Form des Angriffes verzichten. Denn, zum einen provozieren wir mit einem Angriff auf andere einen Gegenangriff. Und zum anderen verletzen wir mit einem Angriff immer auch direkt uns selbst, weil es nicht dem entspricht, wie wir sein wollen. Als Menschen entspricht es nämlich unserem Wesen, dass wir uns, anderen und der Welt nur gutes bringen wollen. Allein unsere Blindheit steht uns im Weg unser tiefes Bedürfnis „gutes zu schaffen“ stets im Einklang mit der Wirklichkeit zu entfalten, da in der Blindheit gilt: „Sie wissen nicht was sie tun.“ Damit wir aber auch in der Blindheit die Möglichkeit haben unsere Irrwege zu erkennen, hat uns das Leben die Wut und die Angst geschenkt – beides Zustände in Blindheit. Durch das Leid, das beides uns verschafft, werden wir eingeladen einzusehen, dass wir noch nicht im Einklang mit uns leben, wodurch wir bestenfalls aktiv auf die Suche gehen uns selbst zu finden.

Alles, was wir im Außen sehen, ist also immer nur die Reflexion dessen, was wir in uns tragen. Und je weniger wir mit uns verbunden sind, desto vernebelter ist nicht nur die Sicht auf uns selbst, sondern auch auf das Außen. Das heißt, dass unsere Interpretationen nicht die Wirklichkeit widerspiegeln, solange wir von uns entfremdet sind und projizieren. Dabei entsprechen unsere Bewertungen grundsätzlich nicht der Wirklichkeit, weil diese an die Vergangenheit geknüpft sind und im Jetzt – dem einzigen Zustand klarer Sicht – bedeutungslos sind.

In der Projektion ist uns grundsätzlich nicht bewusst, dass wir uns damit immer selbst verurteilen und verletzen. Im Grunde zeigt sich das aber recht offensichtlich in unserer Wut, Frustration, Hilflosigkeit und Angst, die immer mit der Projektion einhergehen. Denn den Kampf gegen uns selbst können wir nicht gewinnen. Dieser sinnlose und leidvolle Kampf gegen uns selbst offenbart unsere Not und einen Hilferuf. Allerdings projizieren wir diese Gefühle immer mit und machen nur die anderen Menschen dafür verantwortlich, was tragischerweise nicht sehr einladend auf diese wirkt uns zu helfen. Doch in dem wir lernen, was eine Projektion ist, ermöglicht uns dies die Not aller projizierenden Menschen zu sehen und diese verständnisvoll aufzufangen. Und, wenn gewünscht, sie darüber aufzuklären, was wir in der Projektion genau gesehen haben.

Das Einzige, das der Kampf gegen uns und andere uns somit verschafft, ist Leid. Es kann sich dabei also nur um einen Irrweg handeln, der uns unnötigerweise davon abhält, was wir wirklich wollen: Verbundenheit, Wertschätzung, Frieden, Freude, Verständnis, Liebe.

Es liegt in unserer Hand


Wir, dieBasis, wählen daher einen anderen Weg als die Projektion und den damit einhergehenden Kampf. Denn beides hat keinen Platz in der Welt, in der wir wirklich leben wollen. Um uns diese Welt zu erschaffen, ist es zunächst einmal wichtig, die starke Wirkkraft jedes und jeder Einzelnen von uns anzuerkennen. So bestimmt jedes Mitglied zu jeder Zeit mit, welche Richtung wir als Partei/ Gesellschaft/ Menschheit einschlagen. Dabei müssen wir wissen, dass unsere Passivität immer als „Ja“ zum Status quo gewertet wird und wir diesen damit automatisch mittragen und unterstützen. Für alles, was in unserer Welt passiert, sind wir demnach mitverantwortlich und für jegliche Veränderungen selbst gefragt. Erst wenn wir unsere Selbstverantwortung annehmen und beginnen uns aktiv für die Dinge stark zu machen, die uns am Herzen liegen, schöpfen wir unsere Wirkkraft so aus, dass sie uns Erfüllung bringen kann.

Wir, dieBasis, nehmen all die Leid schaffenden Dinge unserer Welt nicht mehr länger hin. Stattdessen investieren wir unsere Energie nur noch in die Dinge, die uns die Welt unserer Vision näherbringt. Dies tun wir bewusst, zielgerichtet, aktiv und eigenverantwortlich.

Wir brauchen einander


Auf dem Weg in diese Welt brauchen wir einander. Solange wir noch blinde Flecken haben – die wir nahezu alle haben – können wir selbst kaum erkennen, wenn wir gerade einen Irrweg beschreiten. In diesen Fällen können wir ein Korrektiv füreinander sein. Konkret können wir uns gegenseitig dazu einladen uns rückzumelden, wie konsequent wir unsere vier Säulen Freiheit, Machtbegrenzung, Achtsamkeit und Schwarmintelligenz bereits leben. In diesem Prozess könnten auch Projektionen aufgedeckt werden, deren Offenlegung immer ein großer Schritt in Richtung Frieden und Freiheit ist.

Aus diesen Gründen legen wir, dieBasis, viel Wert darauf, verschiedene Räume der Einladung dafür zu schaffen uns und anderen wahrhaftig zu begegnen und dadurch schätzen und annehmen zu lernen. Das ist deshalb so essenziell, weil allein unsere Blindheit uns davon abhält, klar zu erkennen, was wir wirklich wollen und was genau uns dem näher bringen kann.

Inspiration sein


Auf diesem Weg zu sich selbst, wollen wir niemanden zu irgendetwas drängen. Denn der Schlüssel – zum Leben in Liebe, Freiheit und Erfüllung – liegt geschützt in uns und kann somit auch nur von uns selbst betätigt werden. Das Effektivste, das wir zur gegenseitigen Unterstützung tun können, ist daher uns selbst auf diese Reise zu begeben. Denn durch das Vorleben des inneren Friedens – und allen Zwischenstufen bis dahin – stärken wir die Zuversicht anderer, dass dieser Weg auch ihnen offen steht. Je näher wir unserem inneren Frieden kommen, desto mehr strahlen wir aus, dass sich niemand mit weniger zufrieden geben braucht als gänzlicher Erfüllung. Das wirkt sehr inspirierend.

Uns gegenseitig die Hand reichen


Gleichzeitig reichen wir allen Menschen die Hand und warten geduldig, bis sie sich erlauben, diese zu ergreifen und gemeinsam mit uns die Reise zu sich selbst anzutreten. Denn auch, wenn Jede*r selbst diesen Weg beschreiten muss, so ist es nicht möglich auf diesem Weg allein zu sein. Denn um das Glück, das in unseren Händen liegt zu mehren, müssen wir es mit anderen teilen (können). Das liegt daran, dass die uns erfüllenden Dinge – wie Liebe, Frieden, Verständnis – grundsätzlich erst dann in unser Leben einkehren, wenn wir bereit sind diese mit anderen zu teilen. Der Wirklichkeit mangelt es auch nie an diesen Dingen – die alle in uns verankert sind – sondern allein an unserer Bereitschaft diese einfach anzunehmen.

So wie wir in der Spaltung alle nur verlieren können, weil diese unwirklich – und damit ein aussichtloser Kampf – ist, so können wir durch unsere Annahme der Tatsache, dass wir alle miteinander verbunden sind, nur gewinnen. Grundsätzlich können wir nur wirklich gewinnen, wenn wir alle gewinnen.

Quellen:

1https://www.bild.de/bild-plus/politik/inland/politik-inland/ethik-rats-mitglied-lasst-euch-impfen-oder-verzichtet-auf-beatmung-74529170,view=conversionToLogin.bild.html

2https://www.spiegel.de/politik/deutschland/impfpflicht-was-denn-sonst-a-2846adb0-a468-48a9-8397-ba50fbe08a68