Du wirst uns für immer fehlen! – Heute vor einem Jahr starb unser Gründungsmitglied Sascha „El Chancho“ Moll

von Holger Gräf

Wir wollten genau dort anknüpfen, wo wir ein Jahr zuvor aufgehört hatten, als Berlin die größte und friedlichste Demo aller Zeiten erlebe. Initiiert von der Bewegung Querdenken-711, waren am 01.08.2020 Hunderttausende nach Berlin gereist, um friedlich für Freiheit und Grundrechte zu demonstrieren. Schon damals wollte die Politik die Demonstration verbieten, scheiterte jedoch an einer Justiz, die im Jahr 2020 noch eigenständig nach Recht entschied.

Ein Jahr später ist alles anders. Die Gerichte waren zu Bütteln der Politik verkommen und gaben dem Demo-Verbot statt. Die Demonstranten kamen dennoch. Während die Querdenken-Truppe die Bühne wieder abbaute und feierte, fanden in ganz Berlin empörende Jagdszenen statt. Jeder, der aussah wie ein Demonstrant, wurde von der Polizei gejagt, seiner Grundrechte beraubt und oftmals schwer misshandelt. Am Ende wird dieses Vorgehen sogar Dr. Nils Melzer auf den Plan rufen, den seinerzeitigen UN-Sonderbeauftragten für Folter.

Sascha ist einer dieser Demonstranten, die sich auf den Weg nach Berlin gemacht haben. Sascha kommt aus Euskirchen. Er ist eines der 44 Gründungsmitglieder unserer Partei, hat auch den Landesverband NRW und schlussendlich den Kreisverband Euskirchen gegründet. Er ist ein Bär von Mann, nennt sich „El Chancho“, liebt Armeeklamotten und ist doch charakterlich das genaue Gegenteil davon. Einen friedliebenderen und freundlicheren Menschen kann ich mir kaum vorstellen.

An diesem Tag lässt er sich, wie zigtausende Andere auch, von der Polizei durch Berlin hetzen und schreibt dabei regelmäßig in die größte Diskussionsgruppe unserer Partei. Um 15:30 Uhr schreibt er: „Ich sag Dir Bescheid“. Es ist die Antwort auf die Frage nach einem Parteitag. Es sollen seine letzten Worte in dieser Gruppe sein.

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15:30 Uhr. Kurz danach ist Sascha tot.

Dass etwas nicht stimmt, wird uns schon kurze Zeit später klar, als Sascha sich nicht mehr meldet. Etwas später informiert unser Parteianwalt Henning, dass Sascha offenbar in eine Polizeikontrolle geraten ist. Noch gehen wir davon aus, dass er nur festgenommen wurde. Niemand glaubt zu diesem Zeitpunkt ernsthaft daran, dass es anders sein könnte.

Gegen 19:00 Uhr werden die ersten von uns unruhig. Noch immer keine Nachricht von Sascha. So lange dauern Polizeigewahrsame normalerweise nicht. Um 19:10 Uhr fragt Nicole, ein weiteres Mitglied, ob jemand etwas von Saschas Verbleib wisse.

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Aber niemand hat Sascha gesehen. Er ist wie vom Erdboden verschluckt. Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht wissen: Sascha liegt in der Berliner Charité. Nachdem er von der Polizei brutal zu Boden gerungen worden war, hatte er (so wird es später heißen) einen Herzinfarkt erlitten. Gewissheit haben wir erst am nächsten Morgen. Die traurige Nachricht überbringt uns Henning.

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Kurz vor 8:00 Uhr morgens geht für viele von uns eine Welt unter

Zu jener Zeit wurden wir parteiintern darum gebeten, nicht öffentlich darüber zu sprechen. Es stand die Befürchtung im Raum, das man uns politisches Kalkül auslegen könnte, und der Vorwurf, den tragischen Tod unseres Parteimitglieds zu benutzen, um politisches Kapital daraus zu schlagen. Dieses „Füße stillhalten“ war fast unerträglich. Es fühlte sich an, als könnten wir uns nicht einmal angemessen von Sascha verabschieden. Unsere Trauerbekundungen fielen daher vor einem Jahr recht bescheiden aus. Doch das holen wir jetzt nach.

Die Welt soll es wissen: Er hieß Sascha Moll und er starb für deine Freiheit, für meine Freiheit und für die Zukunft unserer Kinder! Er war friedlich und wurde Opfer von unnötiger, ungerechtfertigter Polizeigewalt in deren Folge er verstorben ist.

Er ist das erste Todesopfer unserer Friedens- und Freiheitsbewegung, aber er soll leider nicht das letzte bleiben.

Links:

https://reitschuster.de/post/berlin-demonstrant-stirbt-nach-festnahme-durch-die-polizei/

https://reitschuster.de/post/gewalt-der-berliner-polizei-jetzt-im-fokus-des-un-folter-sonderberichterstatters/


 

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