Gastbeitrag von Sven Lingreen, 31.10.2026
Die Untersuchungshaft von Dr. Paul Brandenburg wirft ein Schlaglicht auf zweierlei:
Zum einen auf das Verhalten des „beleidigten“ Berliner Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner. Zum anderen auf den Fall des wegen Besitzes von Kinderpornografie verurteilten Mario „Drag“ Olszinski, der keinen Tag in Untersuchungshaft verbrachte.
Hier drängt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit auf. Denn nicht Paul Brandenburg hat den ursprünglichen Skandal verursacht.
Man muss die rüde Art von „Pöbel-Paule“ nicht mögen. Doch auch scharfe, polemische und überspitzte Kritik steht grundsätzlich unter dem Schutz der Meinungsfreiheit nach Artikel 5 GG. Und an den Berliner Regierungen der vergangenen Jahrzehnte, der aktuellen und vermutlich auch der künftigen gibt es wahrlich genug zu kritisieren.
Hätte er doch lieber eine Goldmünze geklaut, der Arsch! Aber den Regierenden „beleidigen“? Da wird die ganze Härte des Gesetzes spürbar.
Bestrafe Paul, erziehe Tausende?
Die schreiende Asymmetrie der Justiz wird immer lauter.

Der folgende offene Brief gibt die persönliche Meinung des Autors wieder.
Lieber Pöbel-Paule,
hättest Du es doch gemacht wie die anderen, die von den Bürgermeistern der Hauptstadt unbehelligt blieben und bleiben! Hättest Du ohne ausgelösten Alarm im Bode-Museum eine Millionen-Dollar-Goldmünze wie einen Schweizer Käse zum offenen Fenster an den S-Bahn-Gleisen gerollt, weil Dein Cousin den Wärter spielt. Hättest Du doch in Dresden nicht auf der Demobühne Deine freie Meinung mit straffen Worten gesagt, sondern im Grünen Gewölbe ein paar Klunker zusammengerafft. Niemand hätte Dir in Berlin etwas getan, obwohl alle wussten, wer dahintersteckte.
Aber nein, Du musstest ja mit harten Worten genau die kritisieren, die Berlin völlig woke, bunt und nach allen Seiten offen prosperieren lassen. Die Stadt blüht schließlich schuldenfrei, Wohnraum ist für alle da und natürlich erschwinglich, kein Dreck auf der Straße, ein Stadtbild vom Allerfeinsten und Autobahnbrücken aus goldenem Beton. Und was machst Du? Zeigst stattdessen mit dem lauten Finger auf die Schande der Feigheit des Regierenden, einen wegen Besitzes von Kinderpornografie verurteilten Mario „Drag“ Olszinski nicht hochkant aus einer Veranstaltung rausgeschmissen zu haben.
Dass Du für Worte in U-Haft sitzt, während der „Drag“ Mario nicht einen Tag saß für widerliches Material, das nur durch brutale Gewalt an Kindern entstehen konnte, zeigt, dass Du den Finger genau in die Wunde gelegt hast. Da am Fakt nichts zu rütteln ist, muss man Dir den Ton vorwerfen und die Majestätsbeleidigung bemühen. Sehr interessant ist ja auch, dass eine Beleidigung eher subjektiv ist und Gerichte sich bemühen müssen, eine objektivierte Bewertung zu erschaffen. Ein Bürgermeister, der scharenweise Bürgern Leid in kalten, stromlosen Winternächten angedeihen ließ, hat Zeit, sich Videos von Dir reinzuziehen und sich dann böse beleidigt zu fühlen, anstatt darüberzustehen und eine Metropole zu regieren oder wenigstens zum Tennis zu gehen? Das wirft eine interessante Frage auf: ob er das Video jemals selbst gefunden und gesehen hat.
Wer Dich kennt, weiß, dass Du Dir dieses Gerichtsverfahren niemals entgehen lassen würdest. Fluchtgefahr? Lachhaft, denn es bietet Dir Stoff für Dutzende Sendungen. Das lässt Du Dir doch nicht ungenutzt entgehen. Aber sieh es mal so: Schließt sich die eine (Zellen-)Tür, öffnen sich viele weitere für interessante Videoformate. Man wird den Streisand-Effekt nicht umbenennen müssen, denn nach der letzten Wahl bleibt nur ein Tennisspieler.
Du weißt, dass in der Partei dieBasis, in der ich engagiert bin und bis letztes Jahr Bundesvorsitzender war, die Freiheit die erste Säule unseres Wertegerüsts repräsentiert. Das bedeutet auch, dass auch ich schon die Freiheit der anderen genießen durfte, mich zu beschimpfen und beleidigen zu wollen. Nun ist es aber so, dass ich Meinungsfreiheit, Redefreiheit und auch die freie Entscheidung von jedem, ein dummes Zeug erzählen zu dürfen, für so wichtig halte, dass es mir damit so geht wie vermutlich Dir, wenn ich Dich liebevoll Pöbel-Paule nenne. Da wird nicht geweint wegen der „pösen, pösen Beleidigung“, sondern müde gelächelt oder sogar herzhaft gelacht.
Wenn jemand aber so getroffen wird von den rüden Worten vom Rabauken-Paul, dass er angeblich kaum noch regieren kann und plötzlich so beeinträchtigt ist, dass die Psyche einen größeren Knacks bekommt als von der vielen Kritik am Tennisspiel, während Tausende keinen Strom hatten und solidarisch frieren durften, wird sich als schwacher Charakter – getrieben vermutlich von Rachegedanken – eben revanchieren wollen. Und dann natürlich auch noch beseelt vom berechtigten Wunsch nach Linderung durch Schmerzensgeld. Was hast Du erwartet? Jemanden, der über Deinen lauten Verbalattacken steht? Bürgermeister, die Eiche – Paul, die Wildsau – wen juckt’s? Träum weiter! Solche Eichen gibt es in der Politik nicht mehr.
Ich sehe ein neues therapeutisches Format für Dich: „Psycho-Paules Pöbel-Podium“. Es darf herzlich zurückgepöbelt werden. Du lädst einfach die ein, die Du kritisieren willst. Anstatt die beleidigte Leberwurst zu spielen, darf heftig Kontra gegeben werden. Da fliegen die Fetzen. Das wird ein Spaß. Die meisten Sendungen musst Du vermutlich allein durchziehen. Wer aber kneift, soll hinterher nicht beleidigt flennen.
Paul, lass Dich nicht hängen. Ich bin sicher, Du bleibst standhaft wie immer und bist noch lange nicht am Ende der Geduld.
Ich hoffe, ich habe niemanden beleidigt mit diesem Brief. Ich lande Anfang November auch am BER. Falls Du da wider Erwarten noch in U-Haft bist und Du nebenan plötzlich Klopfzeichen hörst, sehen wir uns dann beim Hofgang.
Aber besser noch: Wir sehen uns in Freiheit!
In herzlicher Ab- und Zuneigung, Du Arsch!
Sven Lingreen


Quellen:
- https://nius.de/gesellschaft/wegen-aeusserungen-ueber-berlins-ob-wegner-corona-kritischer-arzt-paul-brandenburg-in-u-haft
- https://www.tagesschau.de/inland/regional/berlin/rbb-bewaehrungsstrafe-als-dragqueen-bekannter-mann-wegen-kinderpornografie-verurteilt-100.html
- https://www.parlament-berlin.de/ados/19/IIIPlen/protokoll/plen19-074-pp.pdf
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